#carearbeitteilenabermitwem?

Care-Arbeit teilen aber mit wem? 
Anlässlich der Sommerferien ist das Thema Betreuung der Kinder vor allem bei Alleinerziehenden wieder in aller Munde. In unserem Bundesland Baden-Württemberg gibt es gut 13 Wochen Ferien, als Arbeitnehmer habe ich glücklicherweise sogar sechs Wochen Urlaub im Jahr. Als Verwitwete Alleinerziehende kann ich Care-Arbeit mit niemandem teilen. Das kann nicht aufgehen. Mit zwei Kindern und einem Teilzeitgehalt wird die Ferienbetreuung zur ebenso raren wie auch zur kostspieligen Angelegenheit. 

Als mein Mann noch lebte

Dieses Foto entstand Mitte Dezember 2016. Es zeigt meinen Mann mit unseren beiden Kindern, damals 4 und 6 Jahre alt, ca. 5 Wochen vor seinem Tod.

Meinem Mann ist die Krankheit hier deutlich anzusehen. Die Leber ist zerfressen, der Bauch voller Flüssigkeit, das Gesicht und der Körper abgemagert und ausgezehrt. Von Tod wollte mein Mann nie etwas wissen, er wollte leben. Dieser Wille zum Leben war ihm sehr wichtig – der letzte Strohhalm – aber er verhinderte jegliche Kommunikation über das Thema Tod.

Das Foto macht auch deutlich, dass ein erkrankter Elternteil keine Care-Arbeit mehr leisten kann.

Im Gegenteil: ist ein Elternteil erkrankt, muss dieser Care-Arbeit in Anspruch nehmen, wenngleich auch gegen seinen Willen wie bei uns. Das ist Kräfte-zehrend für das Konstrukt Familie, extrem erschöpfend.

Ab sofort für immer alleine erziehend

Seit dem Tod meines Mannes kümmere ich mich um alles alleine, das heißt 100% Care-Arbeit. Das habe ich auch vorher schon getan, zumindest zu 98%. Hinzu kam damals noch die Care-Arbeit für meinen kranken Mann. Und die Care-Arbeit für den Stiefsohn, der teilweise bei uns wohnte. Und die Stiefkinder, die zu uns zu Besuch kamen. Seit mein Mann tot ist, habe ich habe ich so gesehen weniger Care-Arbeit zu leisten. Das nennt man positives Beschreiben einer immer noch vollen Aufgabe: Elternschaft, Teilzeitarbeit, HinterbliebenenRente, Steuererklärung, Vorsorge, Care-Arbeit. Ich mache einfach alles. Alleine.

24/7. Ohne freies Wochenende.
Ohne geteilte Ferien.
Ohne Urlaub vom Alltag.

carearbeitteilenabermitwem: Care-Arbeits-Urlaub

Seit der Geburt meines ersten Kindes hatte ich wenig Care-Arbeits-frei. Genauer gesagt: In den letzten 12,5 Jahren hatte ich in der Summe grob 6 Tage und 6 Nächte Care-Arbeits-Urlaub. Von grob gerechnet ca. 4.562 Tagen Mutterschaft. 

Im Vergleich dazu gibt es bei Erwerbsarbeit einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von Minimum 25 Tagen im Jahr, das wären in 12,5 Jahren demnach 312,5 Tage Urlaub.

312,5 Urlaub als Arbeitnehmer       vs.     6 Tage Urlaub als Mutter.

Das sind insgesamt 6 Tage „überlappend“ – also 6 Tage Zeit für mich. In 12,5 Jahren. Wow. Die Zahlen müssen erstmal wirken…

carearbeitteilenabermitwem: Care-Arbeits-Ferien

Für jedes Schulkind ein Traum, für Eltern und Alleinerziehende oft ein kleiner Horror: 13 Wochen Ferien für Schulkinder in Baden-Württemberg, davon gut 6,5 Wochen Sommerferien. Die wollen überbrückt – oder bestenfalls voller Erlebnisse gepackt –  werden.

Also müssen wir Betreuungen finden, die die Kinder gerne machen wollen, die preislich im Rahmen liegen und die zeitlich zufällig so liegen, dass Eltern auch weiterhin zur Arbeit gehen können. Das Ist eine Mammutaufgabe!

Nochmal: ein Teilzeitgehalt plus Brutto-HinterbliebenenRente für 2 Ferienbetreuungskinder. Puh.

In diesem Jahr haben wir uns gegen das Zeltlager entschieden, welches mir im vergangenen Jahr 5 Tage und 5 Nächte am Stück Care-Arbeits-frei gegeben hatte. Die Kinder haben sich geweigert. Leider.

HomeOffice und flexible Arbeitszeiten

Glücklich ist oder Glück hat, wer einen passenden Arbeitgeber hat. Derzeit läuft es bei mir sehr gut – zum Glück.

Ich habe seit Corona die Möglichkeit, im HomeOffice zu arbeiten. Offiziell ist das ein Tag in der Woche, bis zu fünf Tage im Monat. Wenn die Kinder krank zu Hause betreut werden müssen oder eben in den Ferien gibt es bei uns individuelle Absprachen. Das erleichtert die Ferienbetreuung immens.

Ich erwerbsarbeite jeden Tag 4 Stunden. Fange ich im HomeOffice beispielsweise um 6 Uhr morgens an, bin ich schon fast fertig mit der Erwerbsarbeit, wenn die Kinder in den Ferien aufstehen. Dann fängt die Care-Arbeit des Tages an.

carearbeitteilenabermitwem: Care-Arbeits-frei

Meine Mutter hat mal über gesagt: wenn man sich immer ganz nah ist, kann man nicht mehr aufeinander zugehen. Für die Sendung Rabenmütter oder Supermoms von ZDF neo füllte ich im November den Mental Load Test aus. Wenig überraschend: volle Punktzahl – plus Sonderpunkt für die Rente / HinterbliebenenRente, die im Bogen nicht aufgeführt ist. 

Ich wünsche mir mehr Care-Arbeits-frei. Mehr Zeiten für mich. Mehr zusammenhängende Stunden am Stück für mich. Diese Tage (mehr als 24 zusammenhängende Stunden), in denen frau nicht abrufbereit ist, so ohne Bereitschaftsdienst. Zeiten, in denen keine Reaktion auf „Mama?“ nötig ist. 

Ich liebe meine Kinder. Wirklich. Ich tue alles für sie.

Wir sind zu nah und haben nur so wenig Möglichkeiten, um wieder aufeinander zu zu gehen. 

Fazit: carearbeitteilenabermitwem

Bei der ganzen öffentlichen Diskussion um das Aufteilen von Care-Arbeiten zwischen den beiden Elternteilen fallen die Verwitweten Elternteile schlicht komplett raus, da der andere Elternteil schlicht tot ist und auch nicht für ein paar Stunden oder ein Wochenende im Jahr verfügbar ist. 

Wenn die Diskussion allerdings über die Bezahlung von Care-Arbeit geführt wird, sollten Verwitwete Alleinerziehende unbedingt gesondert mitgedacht werden. Sei es in Rentenpunkten, Ausgleichsgeldern oder was auch immer da jemals geplant oder angedacht wird.

Beim der Berechnung von Unterhaltsvorschuss wird bei Verwitweten Alleinerziehenden das Kindergeld vollständig angerechnet, weil logischerweise niemand anderes mehr da ist, mit wem sie das Kindergeld teilen könnten oder wem das hälftige Kindergeld zugerechnet werden kann. Wenn es dann um die Bezahlung von Care-Arbeit geht, sollten Verwitwete Alleinerziehende ebenfalls die 100%ige Care-Arbeit zugeschrieben bekommen.

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