Berlin, Juni 2026: Wird die Witwenrente abgeschafft?
Berlin, Juni 206: Die Rentenkommission denkt öffentlich über das Rentensplitting für neue Ehen nach und prompt kommt der Aufschrei: die Witwenrente wird abgeschafft. Was in einigen Fällen faktisch eine finanzielle Katastrophe bedeuten würde, ist aus Sicht der Gleichstellung gar nicht so schlecht. Warum der (nicht neue) Vorschlag der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer trotzdem das Pferd von hinten aufzäumt, könnt ihr hier lesen.

Ehe als Wirtschaftsgemeinschaft Witwenrente abgeschafft
Betrachtet man die Ehe als das, was sie vor dem Gesetz ist, nämlich eine Wirtschaftsgemeinschaft, ist das Rentensplitting eine sehr gute und nützliche Sache. Hat ein Ehepaar sich (derzeit freiwillig) für das Rentensplitting entschieden, werden die gemeinsam während der Ehezeit erwarbeiteten Entgeltpunkte gleichmäßig auf beide Partner verteilt. Beide Partner gehen also mit gleichem Punktestand aus der Ehe.
Für die Altersrente vor allem von Frauen ist das erst einmal eine gute Sache, denn die Entgeltpunkte in der Altersrente sind – anders als die Hinterbliebenenrenten – unkürzbar, also nicht durch eigenes Einkommen kürzbar.
Das Rentensplitting ist ähnlich dem Versorgungsausgleich bei einer Scheidung – nämlich defacto eine rententechnische Scheidung.
Das Rentensplitting kann Frauen stärken
Auch heute ist es hauptsächlich die Frau, die durch geleistete Care-Arbeit (deutsch: Sorgearbeit) weniger Erwerbsarbeit leistet und damit in der Regel auch weniger Entgeltpunkte für die Rente sammeln kann. Bei einer Scheidung kommt es regelmäßig zu Besitzansprüchen von (in der Regel) Männern, die „plötzlich“ feststellen, dass sie durch den Versorgungsausgleich Entgeltpunkte und damit echte Rentenansprüche an die (in der Regel) Frau abgeben müssen.
Das Rentensplitting, also die Aufteilung der Entgeltpunkte schon während der Ehe, kann die Position der Frau deutlich stärken, wenn es zu einer Trennung kommt. Die (meist) Frau muss ihre Entgeltpunkte nicht erst erstreiten, da sie diese bereits auf ihrem Rentenkonto bei der DRV hat.
Das Rentensplitting heute – Zugung zur Erziehungsrente
Eine Witwe oder ein Witwer kann nach dem Tod des Partners oder der Parnterin einseitig das Rentensplitting durchführen lassen. Das kann im Hinblick auf die Altersrente sehr viel Sinn machen, aber auch in jungen Jahren mit Kindern kann diese Entscheidung durchaus finanzielle Vorteile sichern. Denn nach der Durchführung des Rentensplittings gilt eine Witwe oder ein Witwer bei der DRV als „geschiedene Person“. Damit ist sie oder er anspruchsberechtigt für die Erziehungsrente, die in einigen Fällen deutlich höher sein kann, als es die Witwenrente oder die Witwerrente oft ist.
Ob die Erziehungsrente bleibt oder nicht, wurde nicht bekanntgegeben.
Rentensplitting eingeführt – Witwenrente abgeschafft
Schaut man sich jedoch Beispiele mit genauen Entgeltpunkten und Zahlen an, wird schnell klar, dass im Todesfall die Witwe ebenso schlechter da steht als der Witwer – und das ist fatal!
Eine Witwe profitiert zwar von ein paar anrechnungsfreien Entgeltpunkten mehr und damit von einer deutlich höheren Altersrente (nicht kürzbar). Allerdings entfällt der Anspruch auf Witwenrente durch das Rentensplitting komplett und die Witwenrente würde damit für nachfolgende Generationen quasi abgeschafft.
Und auch der Witwer hat weniger Geld in der Tasche, da er (in der Regel) einen guten Anteil an Entgeltpunkten abgeben musste. Die zuvor gekürzte Witwerrente fiele für ihn ebenfalls weg.
Pferd von hinten aufgezäumt Witwenrente abgeschafft
Die Wirtschaftsweisen berufen sich bei ihren Ideen darauf, dass Frauen heutzutage (angeblich) für sich selbst sorgen können. Ja, frau muss (in der Regel) ihren Ehemann nicht mehr um Erlaubnis fragen, um erwerbsarbeiten gehen zu können. Aber nein, gleichberechtigt und gleichgestellt sind Frauen noch lange nicht, das belegen alle Zahlen, nicht nur die geminderten Rentenansprüche von Frauen.
Warum fangen (auch) die Wirtschaftsweisen nicht damit an, Kinderbetreuung auszubauen, kostenloses und gesundes Mittagessen in KiTas und Schulen einzuführen, das Elterngeld nach über 20 Jahren endlich mal zu erhöhen und/oder sogar auszuweiten, Care-Arbeit und Elternzeiten für Männer normaler zu gestalten und überhaupt das Kinder-kriegen in Deutschland wieder attraktiver zu machen statt Unterhaltsvorschuss zu streichen, Elterngeld zu kürzen, Integrationshilfen abzuschaffen, Hilfen für pflegende Angehörige zu nehmen, usw. usf.?
Geburtenrate, demographischer Wandel, Rente
Unverständlich ist, warum selbst Wirtschaftsweise versuchen, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Solange Kinder in Deutschland offenbar unerwünscht sind, mindestens aber eine finanzielle Last für jedes junge Paar ist, wird die Geburtenrate weiter sinken.
Frauen wollen und sollen berufstätig sein, können das aber oft nicht (genügend oder ausreichend), weil sie die wichtige und kostenlose Care-Arbeit leisten. Je mehr Kinder, desto größer der Gap im Lebenserwerbseinkommen: sind es beim ersten Kind noch rund 40 % Verlust für die Frau (und ein Plus von 10% für den Mann), so steigt die Rate auf 54 % beim zweiten udn 68 % beim dritten Kind, so die Bertelsmann Studie von 2021.
Solange wir in Deutschland keine echte Gleichstellung und Gleichberechtigung haben, solange Care-Arbeit in Deutschland monetär so geringgeschätzt wird, solange darf es kein verpflichtendes Rentensplitting für neue Ehen geben.
By the way…
Sinkt die Geburtenrate (noch weiter), potentiert sich der Baby-Boomer-Fachkräftemangel. Kommen keine Kinder mehr nach, kommen auch keine neuen Einzahler für unser Rentensystem mehr nach.
Und da ist es egal, ob Ehe oder nicht, Rentensplitting oder nichtr und Witwenrente oder nicht. Investitioenen in Jugend, Kinder und Bildung werden gestrichen oder gekürzt.
Ich verstehe nicht, warum wir über das Renteneintrittsalter diskutieren, statt darüber, wie wir Deutschland kinderfreundlicher machen können und damit ganz nebenbei die Geburtenrate erhöhen und damit ganz direkt Einfluss auf den demographischen Wandel nehmen. Es wäre so einfach, wenn man das Pferd von vorne aufzäumen würde.
Berechnungshilfe Hinterbliebenenrente als Excel-Datei
Mehr zur Anrechnung und damit du deine persönliche Einkommensanrechnung nachstellen kannst findest du hier den Link zur Excel-Liste "Berechnungshilfe Hinterbliebenenrente". Ganz ehrlich? Ich frage mich immer, wieso die Deutsche Rentenversicherung nicht eine solche Excel-Liste herausgeben kann.
Weiterführende Links
Du möchtest endlich wissen, was der Unterschied ist zwischen dem Ehegattensplitting und dem Witwensplitting? Und was hat das Rentensplitting damit zu tun?Oder wie teuer ist eigentlich die Hinzuverdienstgrenze für Deutschland? Warum du als junge Witwe oft arm trotz Arbeit bist und bleibst? Oder dass die Witwenrente gar keine Sozialleistung ist, sondern eine reine Versicherungsleistung? Und was das Leben als Witwe mit einem dreibeinigen Hund zu tun hat? Wie einfach und genial der Lifehack bei der Einkommensanrechnung ist, kannst Du hier nachlesen. Über all das habe ich bereits Beiträge geschrieben. Mehr Infos über die einzelnen Rentenarten gibt es hier.
Hier findest Du die beliebte Berechnungshilfe und denUnterhaltsvorschuss-Rechner. Als beliebte Speakerin findest Du mich auch in einigen TV-Beiträgen und Podcasts.
Was hat Bestseller-Autorin Hera Lind mit meinem Buch "Wenn der Tod dazwischenkommt" zu tun hat und natürlich gibt es auch mehr Informationen zum Ratgeber "Witwenrente - Der Renten- und Finanzratgeber für Hinterbliebene".











